SOLSTICE: Ein EU-Projekt für eine zirkuläre Textilwirtschaft

Das EU-finanzierte Projekt SOLSTICE (Mai 2024 – November 2027) verfolgt das Ziel, die Textilindustrie nachhaltiger zu gestalten und den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft zu fördern. Im Fokus stehen die sogenannten 5R-Strategien: Refuse/Reduce, Reuse, Repair, Repurpose und Recycling. Diese Ansätze sollen helfen, Abfall zu vermeiden und Ressourcen effizienter zu nutzen.

Herausforderungen der Textilindustrie

Die Textilbranche gehört weltweit zu den größten Verursachern von Umweltverschmutzung und Treibhausgasemissionen. In Europa werden jährlich rund 26 kg Textilien pro Person gekauft, davon 11 kg weggeworfen – weniger als 1 % wird recycelt. Die bestehenden Sammel- und Recyclingstrukturen sind ineffizient, und das Konsumverhalten ist nicht nachhaltig.

Pilotprojekte in vier Regionen

SOLSTICE testet dazu Strategien in Grenoble (Frankreich), Prato (Italien), Katalonien (Spanien) und Berlin (Deutschland). Als Teil eines 24-Partner-Konsortiums analysiert Circular Berlin Textilströme sowie das unternehmerische Umfeld und Konsumverhalten in Berlin. Basierend auf den Forschungsergebnissen wird gemeinsam mit FixFirst und lokalen Reparatur-Expert:innen ein Reparatur Bonus System, der REPAIR DEAL, für die Reparaturen von Denim Hosen über 14 Monate (18.09.2025 - 30.11.2026) pilotiert. Der Bonus kann unkompliziert über eine digitale Plattform beantragt werden. Kund:innen erhalten 50 % Rabatt auf die Reparatur ihrer Denim-Hosen.

Innovationen und Wirkung

SOLSTICE entwickelt vier neue chemische Recyclingtechnologien und fördert die Zusammenarbeit zwischen Forschung, Wirtschaft, Behörden und Bürger:innen. Mithilfe eines digitalen Produktpasses soll die Rückverfolgbarkeit von Rohstoffen verbessert werden. Die Ergebnisse des Projekts sollen als Blueprints für andere Regionen dienen und politische Maßnahmen wie Ökomodulationen unterstützen.

Zwischenstand in Berlin

Inzwischen läuft das Pilotprojekt in Berlin seit 8 Monaten und zeigt erste positive Resonanzen. Circular Berlin konnte 11 Schneidereien mit insgesamt 14 Standorten für das Projekt gewinnen. So ist es aktuell in fast allen Berliner Bezirken möglich, seine Jeanshose zum halben Preis reparieren zu lassen. Ende Mai haben bereits 621 Berliner:innen einen Gutschein beantragt und rund die Hälfte dieser hat den Rabatt in einer Schneiderei eingelöst.

Herausforderungen und Erfolge

Das System und die technische Infrastruktur des Reparaturbonus wurden über mehrere Monate hinweg entwickelt und weiter optimiert. Dennoch bringt der reale Arbeitsalltag vieler Schneidereien weiterhin Herausforderungen mit sich. Vor allem die geringe Digitalisierung und die hohe Auslastung der Betriebe erschweren die Umsetzung des Projekts.

Trotzdem konnten in den vergangenen Monaten immer mehr Schneidereien für das nachhaltige Vorhaben gewonnen und die Reichweite des Projekts gesteigert werden. Gemeinsam mit verschiedenen Partnern organisierte Circular Berlin außerdem mehrere REPAIR DAYS, eine Eventreihe rund um das Thema Reparatur. Dort konnten Berliner:innen bei der Reparatur ihrer Hose zusehen oder selbst aktiv werden und unterschiedliche Techniken zum Erhalt ihrer Lieblingsjeans kennenlernen.